Was bezahlt der Bürger eigentlich an der Zapfsäule?
Vom Literpreis fließt ein erheblicher Teil an den Staat
Der Preis an der Zapfsäule wirkt zunächst einfach: Literpreis mal getankte Menge.
Doch hinter diesem Preis steckt ein komplexes System aus Rohölpreis, Raffinerie, Transport, Lagerung, Vertrieb, Tankstellenmarge – und mehreren staatlich bestimmten Preisbestandteilen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Wenn ein Liter Benzin zwei Euro kostet – wie viel davon bleibt eigentlich beim Kraftstoffunternehmen und wie viel bekommt der Staat?
Die Antwort überrascht.
Drei staatliche Bestandteile
Beim klassischen Benzinpreis spielen in Deutschland insbesondere drei staatlich bestimmte Komponenten eine Rolle:
- Energiesteuer
- CO₂-Bepreisung
- Umsatzsteuer
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig:
Die Energiesteuer und die Umsatzsteuer sind Steuern.
Die CO₂-Bepreisung dagegen erfolgt über den nationalen Emissionshandel. Unternehmen, die fossile Kraftstoffe in Verkehr bringen, müssen dafür Emissionszertifikate erwerben. Die Kosten werden in der Regel an die Verbraucher weitergegeben. Die Erlöse fließen an den Staat.
1. Die Energiesteuer
Die Energiesteuer ist der klassische staatliche Preisbestandteil beim Kraftstoff.
Seit dem 1. Juli 2026 gelten nach dem Ende der zweimonatigen Sonderregelung wieder die regulären Steuersätze.
Für Benzin mit höchstens 10 mg Schwefel beträgt die Energiesteuer:
65,45 Cent pro Liter
Bei Diesel sind es:
47,04 Cent pro Liter
Diese Sätze stehen im Energiesteuergesetz.
Damit liegt allein die Energiesteuer bei einem Liter Benzin bereits bei fast zwei Dritteln eines Euro.
2. Die CO₂-Bepreisung
Seit 2021 gibt es in Deutschland zusätzlich einen Preis auf die CO₂-Emissionen fossiler Brennstoffe.
2025 lag der Preis bei 55 Euro pro Tonne CO₂.
2026 wurde das System geändert:
Die Zertifikate werden grundsätzlich über Auktionen verkauft. Für 2026 gilt ein Preiskorridor von:
55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂
Die Kosten werden von den Unternehmen, die die Kraftstoffe in Verkehr bringen, berücksichtigt und in der Regel an die Verbraucher weitergegeben. Die Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel fließen in den staatlichen Klima- und Transformationsbereich.
Für den Autofahrer ist deshalb entscheidend:
Auch der CO₂-Preis steckt im Kraftstoffpreis.
Das Umweltbundesamt geht von rund 2,3 kg CO₂ pro Liter Benzin und rund 2,6 kg CO₂ pro Liter Diesel aus.
Bei einem CO₂-Preis von 65 Euro pro Tonne entspricht das rechnerisch ungefähr:
Benzin:
2,3 kg × 65 €/t = rund 15 Cent pro Liter vor Umsatzsteuer.
Diesel:
2,6 kg × 65 €/t = rund 17 Cent pro Liter vor Umsatzsteuer.
Auch auf diesen Preisbestandteil fällt Umsatzsteuer an.
3. Und dann kommt noch die Mehrwertsteuer
Der dritte große staatliche Anteil ist die Umsatzsteuer.
Der reguläre Umsatzsteuersatz in Deutschland beträgt 19 Prozent. Die Umsatzsteuer wird auf den Verkaufspreis einschließlich der darin enthaltenen Preisbestandteile berechnet.
Das bedeutet:
Wenn der Liter Benzin an der Zapfsäule beispielsweise
2,00 Euro
kostet, beträgt die darin enthaltene Umsatzsteuer:
31,93 Cent
Nicht 38 Cent.
Denn die 19 Prozent werden auf den Nettopreis aufgeschlagen. Bei einem Endpreis von 2,00 Euro beträgt der darin enthaltene Umsatzsteueranteil:
2,00 € × 19 / 119 = 31,93 Cent
Rechnen wir einen Liter Benzin durch
Nehmen wir zur Veranschaulichung einen Tankstellenpreis von:
2,00 Euro pro Liter
Und rechnen wir mit einem CO₂-Preis am oberen Ende des für 2026 geltenden Korridors.
Dann ergibt sich ungefähr:
| Preisbestandteil | Cent/Liter |
|---|---|
| Energiesteuer | 65,45 ct |
| CO₂-Bepreisung | ca. 15 ct |
| darin bzw. darauf entstehende Umsatzsteuer* | ca. 3 ct |
| Umsatzsteuer auf den gesamten Endpreis | 31,93 ct |
| staatlich veranlasste Bestandteile | rund 1,15 € |
| verbleibender Anteil | rund 0,85 € |
*Die Darstellung der CO₂-Komponente und Umsatzsteuer darf nicht doppelt gezählt werden. Für eine exakte Abrechnung muss die jeweilige Preisbildung des Inverkehrbringers berücksichtigt werden.
Der entscheidende Punkt ist deshalb:
Bei einem Benzinpreis von 2 Euro besteht ein sehr großer Teil des Endpreises aus staatlich bestimmten oder staatlich erhobenen Komponenten.
Die genaue Quote verändert sich allerdings mit dem Marktpreis.
Warum der Anteil nicht immer gleich ist
Das ist ein wichtiger Punkt.
Die Energiesteuer wird pro Liter erhoben.
Sie beträgt beispielsweise beim Benzin 65,45 Cent – egal ob der Liter an der Zapfsäule 1,50 Euro oder 2,20 Euro kostet.
Die Umsatzsteuer dagegen ist prozentual.
Deshalb verändert sich der staatliche Anteil am Endpreis:
Bei niedrigem Benzinpreis
Die festen Abgaben machen einen größeren Anteil des Gesamtpreises aus.
Bei hohem Benzinpreis
Der prozentuale Anteil der festen Energiesteuer sinkt – gleichzeitig steigt die absolute Umsatzsteuer, weil 19 Prozent auf den höheren Preis berechnet werden.
Ein Beispiel mit 60 Litern
Nehmen wir einen Tank mit:
60 Litern Benzin
und einen Preis von:
2,00 Euro/Liter
Dann bezahlt der Autofahrer:
120 Euro
Davon sind allein rund:
39,27 Euro Energiesteuer
(60 × 0,6545 €)
Hinzu kommen rund:
19,16 Euro Umsatzsteuer
(60 × 0,3193 €)
Und zusätzlich steckt der CO₂-Preis im Kraftstoffpreis.
Bei einem angenommenen CO₂-Preis von 65 €/t entspricht dieser bei rund 2,3 kg CO₂ je Liter etwa:
9 Euro CO₂-Kosten für 60 Liter
vor Umsatzsteuer.
Damit wird sichtbar:
Ein großer Teil einer einzigen Tankfüllung besteht nicht aus dem eigentlichen Kraftstoff.
Der Staat verdient also an teurem Sprit automatisch mit?
Hier wird es interessant.
Wenn der Benzinpreis steigt, steigt die Energiesteuer nicht mit.
Sie bleibt bei 65,45 Cent pro Liter.
Die Umsatzsteuer dagegen steigt automatisch mit dem Endpreis.
Das Bundesfinanzministerium hat diesen Effekt 2026 selbst untersucht.
In einer Modellrechnung zu den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen im März 2026 kam das Ministerium zu dem Ergebnis, dass allein durch den damaligen Preisanstieg zusätzliche Umsatzsteuereinnahmen von rund 115,9 Millionen Euro bei Diesel und Benzin entstanden. Gleichzeitig wurden durch den geringeren Verbrauch Energiesteuereinnahmen von rund 82 Millionen Euro weniger erwartet.
Das zeigt einen wichtigen Zusammenhang:
Steigt der Preis, steigt bei gleichbleibender Menge automatisch auch die Umsatzsteuer.
Sinkt dagegen der Verbrauch, kann dieser Effekt teilweise oder vollständig wieder verschwinden.
Und genau hier schließt sich der Kreis zur Grenzregion
Damit kommen wir zurück zu unserem ersten Beitrag über den Tanktourismus.
Wenn ein Autofahrer in Deutschland für einen Liter Benzin beispielsweise 2,00 Euro bezahlt, enthält dieser Preis erhebliche staatliche Komponenten.
Fährt derselbe Autofahrer jedoch wenige Kilometer über die Grenze und tankt dort günstiger, passiert etwas anderes:
Das Geld wird nicht mehr an der deutschen Zapfsäule ausgegeben.
Damit entstehen auch die entsprechenden deutschen Steuereinnahmen aus diesem Tankvorgang nicht in derselben Weise.
Für den Autofahrer ist die Rechnung einfach:
Wo ist der Liter billiger?
Für den Staat und die deutsche Tankstellenwirtschaft ist die Rechnung komplizierter.
Denn wenn immer mehr Verbraucher ihre Tankfüllungen im Ausland kaufen, verschiebt sich nicht nur der Umsatz.
Es verschiebt sich auch ein Teil der Steuerbasis.
Was kostet der Staat den Autofahrer?
Die Frage kann man deshalb auch umgekehrt stellen.
Nicht:
„Warum ist Benzin so teuer?“
Sondern:
„Wie setzt sich der Preis zusammen, den der Autofahrer an der Zapfsäule bezahlt?“
Ein Teil entsteht auf dem Weltmarkt.
Ein Teil entsteht bei Raffinerien und Mineralölunternehmen.
Ein Teil entsteht durch Transport, Lagerung und Vertrieb.
Und ein erheblicher Teil entsteht durch staatliche Abgaben und die CO₂-Bepreisung.
Die Zapfsäule ist damit mehr als eine Tankstelle
Der Benzinpreis ist ein gutes Beispiel dafür, wie verschiedene wirtschaftliche Interessen aufeinandertreffen.
Der Autofahrer will möglichst günstig tanken.
Die Tankstelle muss wirtschaftlich arbeiten.
Der Mineralölhandel muss seine Kosten und Margen decken.
Der Staat erhebt Steuern und setzt den Rahmen für die CO₂-Bepreisung.
Und der Markt entscheidet letztlich darüber, wie sich diese Bestandteile im Endpreis niederschlagen.
Gerade deshalb wird der Preisunterschied zwischen Deutschland, Polen und Tschechien wirtschaftlich interessant.
Denn wenn die Differenz groß genug wird, verändert sich das Verhalten der Verbraucher.
Sie fahren dorthin, wo das Tanken günstiger ist.
Fazit
Die häufig gestellte Frage
„Wie viel verdient der Staat an einem Liter Benzin?“
lässt sich nicht mit einer ei

