NEW BANKING – Finanzen sichtbar gemacht

Serie 2 · Das unsichtbare Finanzsystem · Folge 3

120 Milliarden Euro – wer finanziert die Rente zusätzlich?

In den ersten beiden Folgen haben wir uns zwei Zahlen angesehen:

21,5 Millionen Rentenbeziehende.

Und:

rund 46 Millionen Erwerbstätige.

Dabei haben wir festgestellt:

Erwerbstätige sind nicht automatisch Beitragszahler.

Und:

Versicherte sind nicht automatisch identisch mit Beitragszahlern.

Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

Denn die gesetzliche Rentenversicherung wird nicht ausschließlich aus den Beiträgen der Versicherten und ihrer Arbeitgeber finanziert.

Ein erheblicher Teil kommt aus einer ganz anderen Quelle:

dem Bundeshaushalt.

Und die Größenordnung ist erstaunlich.


Rund 120 Milliarden Euro

Im Jahr 2025 flossen insgesamt rund 120 Milliarden Euro Bundesmittel in die gesetzliche Rentenversicherung.

Zum Vergleich:

Die gesamten Einnahmen der Rentenversicherung lagen 2025 bei rund 420 Milliarden Euro.

Damit machten die Mittel aus dem Bundeshaushalt ungefähr 30 Prozent der Einnahmen aus.

Oder anders ausgedrückt:

Etwa jeder dritte Euro der Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung kam 2025 aus Bundesmitteln.

Das ist eine Größenordnung, die man sich einmal bildlich vorstellen sollte.


Unser Zahlenspiel

Stellen wir uns die Einnahmen der Rentenversicherung als 100 Euro vor.

Dann stammen ungefähr:

77 Euro

aus Beiträgen.

Und ungefähr:

23 Euro

aus den verschiedenen Bundeszuschüssen und weiteren Bundesmitteln, wenn wir uns auf die in der Rentenversicherung ausgewiesenen Einnahmen konzentrieren.

Die Gesamtbetrachtung des BMAS fällt etwas weiter aus und kommt für 2025 auf rund 120 Milliarden Euro Bundesmittel bei rund 420 Milliarden Euro Gesamteinnahmen – also etwa 30 Prozent.

Warum unterscheiden sich diese Zahlen?

Weil nicht jede Bundesleistung in der Statistik unter derselben Kategorie verbucht wird.

Und genau hier wird es interessant.


Bundeszuschuss ist nicht gleich Bundeszuschuss

Wenn wir von „dem Bundeszuschuss“ sprechen, klingt das zunächst nach einer einzigen Zahlung.

Tatsächlich gibt es verschiedene Finanzierungsbestandteile.

Die Deutsche Rentenversicherung weist für 2025 unter anderem aus:

65,7 Milliarden Euro

allgemeiner Bundeszuschuss bzw. Defizitausgleich

und

32,1 Milliarden Euro

zusätzlicher Bundeszuschuss.

Zusammen sind das bereits knapp 97,9 Milliarden Euro.

Dazu kommen weitere Bundesmittel und Zahlungen des Bundes, beispielsweise für bestimmte rentenrechtliche Tatbestände.

Das BMAS kommt deshalb in seiner Gesamtbetrachtung für 2025 auf:

rund 120 Milliarden Euro Bundesmittel.


Aber warum zahlt der Staat überhaupt?

Jetzt wird es politisch und gesellschaftlich interessant.

Die gesetzliche Rentenversicherung erbringt nicht ausschließlich Leistungen, die unmittelbar durch vorherige Beiträge entstanden sind.

Es gibt auch Leistungen, die auf gesamtgesellschaftlichen Entscheidungen beruhen.

Ein Beispiel:

Kindererziehungszeiten.

Für bestimmte Kindererziehungszeiten zahlt der Bund Beiträge an die Rentenversicherung.

Die Deutsche Rentenversicherung weist diese Zahlungen als Bundesbeiträge aus.

Das Prinzip dahinter:

Eine Leistung wird gesellschaftlich gewollt.

Aber nicht ausschließlich die Beitragszahler der Rentenversicherung sollen sie finanzieren.

Deshalb beteiligt sich der Staat.


Der Staat finanziert also einen Teil des Systems

Und damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt:

Wenn der Bund Geld an die Rentenversicherung überweist, kommt dieses Geld nicht aus einer geheimen Geldquelle.

Es stammt letztlich aus dem Bundeshaushalt.

Und der Bundeshaushalt wird überwiegend aus Steuereinnahmen und weiteren staatlichen Einnahmen finanziert.

Das bedeutet:

Auch Menschen, die selbst keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen, können über Steuern zur Finanzierung der Rentenversicherung beitragen.

Das hatten wir bereits in Folge 2 gesehen.

Ein Beamter zahlt beispielsweise grundsätzlich nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein.

Er zahlt aber Steuern.

Und Steuermittel fließen wiederum in den Bundeshaushalt.

Aus diesem Bundeshaushalt werden unter anderem Mittel an die Rentenversicherung überwiesen.

Damit wird sichtbar:

Beitragszahlung und Finanzierung des Systems sind nicht dasselbe.


100 Euro Rentenfinanzierung

Machen wir das einmal ganz einfach.

Stellen wir uns vor, die Rentenversicherung hätte:

100 Euro Einnahmen

Davon stammen grob:

76–77 Euro

aus Beiträgen.

Und:

23–24 Euro

aus den in der Rentenversicherung ausgewiesenen Bundeszuschüssen und weiteren Einnahmen.

Bei einer weiter gefassten Betrachtung des BMAS werden für 2025 rund 120 Milliarden Euro Bundesmittel ausgewiesen.

Das entspricht ungefähr:

30 von 100 Euro.

Das ist die Zahl, die wir sichtbar machen sollten.


Und jetzt wird die Größenordnung deutlich

120 Milliarden Euro sind:

120.000.000.000 Euro

Das ist keine abstrakte Zahl mehr.

Das sind:

120 Milliarden Euro

die innerhalb eines Jahres aus dem Bundeshaushalt in die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung fließen.

Zum Vergleich:

Die Deutsche Rentenversicherung weist für 2025 insgesamt rund 421 Milliarden Euro Ausgaben aus.

Davon entfielen rund 379 Milliarden Euro auf Rentenausgaben der Rentenversicherung insgesamt.


Der Staat ist damit ein bedeutender Finanzierer

Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert deshalb vereinfacht betrachtet wie ein System mit mehreren Geldquellen:

Arbeitnehmer und Arbeitgeber

💶
Beiträge

Rentenversicherung

🏦

💶
Bundesmittel

Bundeshaushalt

🏛️

Steuern und weitere Einnahmen

Daneben gibt es weitere Einnahmen und Finanzierungsströme.

Das System ist also deutlich komplexer als:

Arbeitnehmer zahlen Beiträge → Rentner bekommen Rente.


Aber bedeutet das, dass 30 Prozent der Renten aus Steuern bezahlt werden?

So einfach darf man es nicht formulieren.

Das wäre eine falsche Schlussfolgerung.

Denn die Bundesmittel haben unterschiedliche Funktionen.

Das BMAS erklärt, dass die Rentenversicherung neben beitragsgedeckten Leistungen auch sogenannte nicht beitragsgedeckte Leistungen erbringt. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Leistungen aufgrund gesamtgesellschaftlicher Aufgaben.

Die Bundeszuschüsse dienen unter anderem der pauschalen Abgeltung dieser Leistungen und der Sicherung der Funktions- und Leistungsfähigkeit der Rentenversicherung.

Deshalb wäre die Aussage:

„30 Prozent der Renten werden aus Steuern bezahlt.“

zu pauschal.

Richtig ist:

Ein erheblicher Teil der Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung stammt aus Bundesmitteln.

Und genau diese Unterscheidung ist wichtig.


Eine weitere überraschende Zahl

2025 hatte die Rentenversicherung insgesamt rund:

422,6 Milliarden Euro Einnahmen

Davon:

321,6 Milliarden Euro Beiträge

und:

97,8 Milliarden Euro allgemeine und zusätzliche Bundeszuschüsse

plus weitere Einnahmen.

Damit wird unser Finanzkreislauf immer sichtbarer.


Und jetzt kommt die entscheidende Frage

Warum steigt die Bedeutung dieser Zahlen?

Weil die gesetzliche Rentenversicherung in den kommenden Jahren vor einer schwierigen Aufgabe steht.

Die Ausgaben steigen.

Die Zahl der Rentenbeziehenden bleibt hoch beziehungsweise wächst weiter.

Gleichzeitig verändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung.

Und damit wird die Frage immer wichtiger:

Wie viel können die Beitragszahler finanzieren – und wie viel muss zusätzlich aus dem Bundeshaushalt kommen?

Das ist keine reine Rentenfrage.

Es ist eine Frage der Verteilung staatlicher Einnahmen.

Denn jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden.

Wenn mehr Geld in die Rentenversicherung fließt, steht dieses Geld nicht gleichzeitig für andere Aufgaben des Staates zur Verfügung.


Die Rente konkurriert damit auch um Steuergeld

Der Bundeshaushalt finanziert unter anderem:

  • Infrastruktur
  • Bildung
  • Verteidigung
  • Familienleistungen
  • Gesundheit
  • Verkehr
  • Zinsen auf Staatsschulden
  • Verwaltung
  • internationale Verpflichtungen
  • und eben auch die gesetzliche Rentenversicherung.

Wenn der Staat zusätzliche Milliarden für die Rente benötigt, stellt sich deshalb automatisch die nächste Frage:

Woher kommt dieses Geld?

Aus höheren Steuern?

Aus niedrigeren Ausgaben an anderer Stelle?

Aus neuen Schulden?

Oder aus einer Kombination verschiedener Maßnahmen?

Damit wird aus einer Rentenfrage eine Finanzfrage für den gesamten Staat.


Das eigentliche Zahlenspiel

Stellen wir uns wieder Deutschland als großes Finanzsystem vor.

Auf der einen Seite:

Beitragszahler

💼💼💼

Beiträge

Rentenversicherung

🏦

👵👴👵👴

Renten

Und jetzt kommt ein zweiter Geldstrom hinzu:

Bundeshaushalt

🏛️

120 Milliarden Euro

Rentenversicherung

Damit wird etwas sichtbar, das man im Alltag kaum wahrnimmt:

Die gesetzliche Rente wird nicht ausschließlich aus den Rentenbeiträgen finanziert.


Drei Folgen – drei Erkenntnisse

Nach drei Folgen unserer Serie wissen wir jetzt:

Folge 1

21,5 Millionen Menschen beziehen gesetzliche Rente.

Aber die Finanzierung ist nicht einfach „Rentner gegen Arbeitnehmer“.

Folge 2

Rund 46 Millionen Menschen sind erwerbstätig.

Aber Erwerbstätige sind nicht automatisch Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung.

Folge 3

Rund 120 Milliarden Euro Bundesmittel fließen in die Rentenversicherung.

Damit ist der Bundeshaushalt ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung.

Und genau hier wird das System interessant.


Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht:

„Wer bezahlt die Rente?“

Sondern:

„Aus welchen Geldquellen wird die Rente insgesamt finanziert?“

Die Antwort lautet:

Beiträge.

Bundesmittel.

Weitere Einnahmen.

Und dahinter steht ein komplexes Zusammenspiel aus Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Rentenversicherung und Staat.


Fazit

Die gesetzliche Rentenversicherung ist weit mehr als eine monatliche Abrechnung auf dem Gehaltszettel.

2025 lagen die Gesamteinnahmen der Rentenversicherung bei rund 422,6 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen betrugen rund 321,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig flossen erhebliche Bundesmittel in das System.

Das BMAS beziffert die Bundesmittel für 2025 insgesamt auf rund 120 Milliarden Euro. Das entspricht bei rund 420 Milliarden Euro Gesamteinnahmen ungefähr 30 Prozent.

Diese Bundesmittel sind dabei nicht einfach „Steuergeld für Rentner“. Sie erfüllen unterschiedliche Funktionen und hängen unter anderem mit gesamtgesellschaftlichen Leistungen und der Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung zusammen.

Aber eine Tatsache bleibt:

Die gesetzliche Rentenversicherung ist auch ein Bestandteil des Bundeshaushalts.

Und damit betrifft die Finanzierung der Rente nicht nur diejenigen, die Beiträge zahlen.

Sie betrifft letztlich uns alle als Steuerzahler und Bürger dieses Staates.

Denn hinter jeder Milliarde steht dieselbe Frage:

Woher kommt das Geld – und wofür könnte es sonst verwendet werden?

Das ist die Zahl hinter der Zahl.


Wir machen finanzielle Zusammenhänge sichtbar, die im Alltag oft selbstverständlich erscheinen – bis man genauer hinschaut.

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